Teil 1: Burnout verstehen – und rechtzeitig die Notbremse ziehen
- jscherrer3
- 17. Okt. 2022
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 25. März
Erfolgreich, engagiert, belastbar – und plötzlich geht nichts mehr. Vielleicht kennst du das Gefühl, wenn alles zu viel wird und die Energie trotz Pausen nicht zurückkommt.
Burnout trifft besonders Menschen mit hohem Anspruch und starkem Verantwortungsgefühl.
In diesem Artikel erfährst du, was Burnout wirklich ist, woran du erste Anzeichen erkennst – und wie du frühzeitig gegensteuern kannst, bevor dein System auf Notbetrieb geht.

Inhalt
1 - Alarmierende Zahlen, die aufhorchen lassen
Die Pandemie hat psychische Belastungen drastisch verstärkt – Depressionen und Angststörungen sind laut WHO weltweit um 25 % gestiegen.
Auch in der Schweiz zeigt der Jobstressindex 2022 der Gesundheitsförderung Schweiz ein klares Bild: Mehr als ein Drittel aller Erwerbstätigen ist emotional erschöpft. Die Zahl der Mitarbeitenden, die krank zur Arbeit kommen, nimmt zu.
Lassen Sie uns zunächst einen näheren Blick auf Jobstress, den Risikofaktor Nummer 1 für Burnout, werfen.
2 - Was ist Burnout – medizinisch & psychologisch betrachtet
Medizinisch betrachtet
Im Katalog der internationalen Klassifikationen für Diagnosen (ICD-11) ist Burnout als Syndrom definiert „Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet werden kann“ und ist gekennzeichnet durch 3 Dimensionen:
ein Gefühl von Erschöpfung
eine zunehmende geistige Distanz oder negative Haltung zum eigenen Job
ein verringertes Leistungsvermögen im Beruf.
Damit stellt es einen Risikofaktor für verschiedene psychische und physische Erkrankungen dar. Oft geht sie mit einer Depression einher.
Psychologisch betrachtet Dr. Matthias Burisch, Professor für Psychologie an der Universität Hamburg, erklärt den 7-Phasen-Prozess wie folgt:
1. Anfangsphase
Engagement, überhöhter Energieeinsatz, Erschöpfung
2. Reduziertes Engagement
für Kunden, Kollegen, für andere Menschen, für die Arbeit; innere Kündigung
3. Suche nach Schuldigen
niedergeschlagene reizbare Stimmung
4. Abbau der Motivation
Dienst nach Vorschrift, Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit, Kreativität und des differenzierten Denkens
5. Emotionale und geistige Verflachung
Emotionale Leere, sozialer Rückzug
6. Psychosomatische Reaktionen
Herz-Kreislauf- bzw. Magen-Darm-Beschwerden, Muskelverspannungen, Schmerzen, geschwächtes Immunsystem
7. Existenzielle Verzweiflung Hoffnungslosigkeit, Depression, Suizidgedanken
3 - Burnout beginnt leise und oft unbemerkt - ein Beispiel aus der Praxis
Martin, Führungskraft, merkt: Die Wochenenden bringen keine Erholung mehr. Er ist zynisch, zieht sich zurück, schläft schlecht und leidet unter körperlichen Beschwerden. Seine Mitarbeitenden gehen ihm aus dem Weg, zuhause fühlt er sich überfordert.
Er nimmt die Warnsignale nicht ernst – bis sein Körper die Notbremse zieht.
Genau deshalb ist es so wichtig, rechtzeitig hinzuhören – auf dich selbst, auf dein Inneres, auf deinen Körper.
„Dieser Prozess kann von mindestens einigen Wochen bis zu vielen Jahren, womöglich Jahrzehnten dauern, bis die Symptome schwerer werden, bis sie ins Bewusstsein dringen“, schreibt Burisch in seinem Buch Dr. Burischs Burnout-Kur – für alle Fälle.
Genauso ist es bei Martin. Zuerst bemerkt er die leisen Signale nicht. Dann versucht er, sie zu ignorieren. Weil er nichts unternimmt, dreht sich die Spirale unaufhaltsam weiter nach unten. Gerade als perfektionistischer und leistungsorientierter Mensch ist er besonders gefährdet.
„Geh du vor“, sagt die Seele zum Körper, „auf mich hört er nicht. Vielleicht hört er auf dich.“
„Ich werde krank werden, dann wird er Zeit für dich haben“, sagt der Körper zur Seele. Ulrich Schaffer
Bevor Ihre Seele und Ihr Körper ein solches Gespräch führen, kann ich Ihnen aus meiner langjährigen Berufspraxis versichern:
Es liegt in Ihrer Hand, sich rechtzeitig und wirksam zu schützen.
4 - Der wahre Kern von Burnout: das Gefühl von Sinnlosigkeit
"Die entscheidende Voraussetzung für Burnout ist das Gefühl von Sinnlosigkeit. Dass das, was man tut, keinen Sinn hat,» sagt Thomas Fuchs, Psychiater und Philosoph im Interview «Angst, Depression: Warum nehmen psychische Erkrankungen zu?» vom 9. Januar 2024 mit Yves Bossart.
«Man könnte zunächst denken, Burnout hat etwas mit Überforderung im Sinne der physischen oder psychischen Leistung zu tun. Das ist ein Aspekt. Der Wichtigere ist, dass das eigene Engagement, die Überidentifikation mit einer Tätigkeit nicht von genügend Resonanz getragen ist, sie nicht genügend anerkannt oder belohnt wird. Die Sinnlosigkeit entsteht aus dem Gefühl: Ich setz mich so ein und es kommt nichts zurück. Was soll das noch?», betont Thomas Fuchs.
Im nächsten Blogartikel erfahren Sie, wie Sie Ihre mentale Stärke gezielt aufbauen, Ihr Gehirn bewusst umprogrammieren und mit 5 Strategien plus 8 Energie-Boostern Ihre Gesundheit langfristig schützen können.
Sie möchten nicht warten? Hier geht’s direkt zu Teil 2: Burnout vorbeugen – 5 Strategien & 8 Energie-Booster für ein gesundes, kraftvolles Leben.
Bleiben Sie achtsam und zuversichtlich.
Herzlich
Ihre Jacqueline Scherrer
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Ihre Wegbegleiterin
Grüezi, ich bin Jacqueline Scherrer. Seit über 15 Jahren unterstütze ich Unternehmer*innen und Führungskräfte dabei, Positive Führung und Wohlbefinden zu stärken, mehr Energie und Klarheit zu aktivieren und gelingenden Wandel zu gestalten.
Ich lebe und arbeite in der malerischen Ostschweiz. Treffen sind persönlich oder online möglich – ganz nach Ihren Vorlieben.
Am besten erreichen Sie mich per E-Mail. Lassen Sie uns gemeinsam das bewegen, was Sie begeistert!
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Literatur und Quellen
Matthias Burisch (2015), Dr. Burischs Burnout-Kur – für alle Fälle – Anleitungen für ein gesundes Leben. Berlin Heidelberg: Springer-Verlag
Klaus Bernhardt (2019), Depression und Burnout loswerden – Wie seelische Tiefs wirklich entstehen und was Sie dagegen tun können. München: Ariston Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH.
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